Pissoir: So lernen Sie, im Stehen zu pinkeln

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Im Stehen Pinkeln - Satire
Pinkeln - Pissoir - im Stehen - Kneipe - Satire
Sind keine Waschbecken: Pissoirs

In der emanzipierten Zeit ist das Pinkeln im Stehen zu einer Rarität verkommen und sollte daher umso intensiver genossen werden. Da Sie zu Hause, insbesondere aufgrund einer aktuellen Debatte, femininem Stehverbot ausgesetzt sind, verpinkeln Sie sich mangels Übung in Kneipen oder auch anderen öffentlichen Einrichtungen.
Es folgen daher Tipps zu richtigem Verhalten am Pissoir, die nicht zuletzt auf bitteren Eigenerfahrungen basieren.

Die Vorbereitung

  • Erfragen Sie vorher die Anzahl der Urinale beim Personal, um die Platzwahl schon im Kopf theoretisch durchzuspielen.
  • Sind alle Anlagen noch frei, stellen Sie sich am besten in die Mitte, da hier die Wahrscheinlichkeit zu beeindrucken am meisten gegeben ist.
  • Schüchterne Linksträger ordnen sich häufig ganz links ein. Dieses Phänomen ist nicht, wie man annehmen würde, auf die allgemeine Gravitation zurück zu führen, sondern begründet sich in dem instinktiven Wunsch eines Urinateurs, möglichst wenig Pimmelfläche zu zeigen.
  • Der seltene Rechtsträger verhält sich analog.
  • Für Unentschlossene sei die Beherrschung eines freihändigen Seitenschrittes vorausgesetzt. Dabei hüpft man seitwärts, sagt „Hop“ und klatscht einmal in die Hände.
  • Beachten Sie bitte die genaue Zahl Eins, da zweifaches Klatschen mögliche Gefahren signalisiert und intern als Warnzeichen verstanden wird.

Kommunikation

Am Urinal geht die Party weiter. Es werden Gespräche geführt und nicht nur Hände geschüttelt.

  • Bei einem Seitenblick laut zu lachen, ist ausdrücklich erwünscht, da Lachen gesund ist.
  • Nach Möglichkeit sollten Sie in einem offenen Gespräch immer konkretisieren, indem Sie zum Beispiel auf das Glied des Fremden deuten. Niemand mag unklare Angaben.
  • Möchten Sie Ihrem Mitstreiter unbedingt Ihre Bewunderung aussprechen, so warten Sie am besten im Ausgangsbereich und sagen es ihm dann. Verwenden Sie dabei ausladende Fischer-Gesten, falls das Verbale „nicht so sein Ding“ ist.
  • Es ist nicht unbedingt notwendig, nach jedem Gang Ihren Facebook-Status zu aktualisieren. Wenige Hinweise pro Abend halten Ihre Freunde aber auf dem Laufenden.
  • Machen Sie dabei von Ihrer Kamera-App Gebrauch und verlinken fleißig.

Jeder nur ein Pissoir

  • Die Hose ist vom Pinkler selbst zu öffnen. Lassen Sie sich nicht auf Hilfegesuche Fremder ein, egal wie nett diese wirken.
  • Ist der Zielpunkt angesetzt, beginnen Sie selbständig zu pinkeln, indem Sie Ihren Bauch sprichwörtlich ausfahren. So ist sichergestellt, dass die inneren Organe durch den Unterdruck nachrutschen und begünstigend auf die Blase drücken.
  • Sind Sie aber plötzlicher Blockade ausgesetzt, simulieren Sie den erwünschten Vorgang. Um der Realität zu entsprechen, verharren Sie, je nach Altersgrad, 30-180 Sekunden lang am Pissoir, furzen gelegentlich und geben zufriedene Geräusche von sich.
  • Man sollte sich dabei allerdings im Gegensatz zum klassischen Pinkeln nicht beobachten lassen. Credibility ist am Pissoir ebenso wichtig wie im Bundestag.
  • Vergessen Sie nicht, regelmäßig zu spucken und sämtliche sichtbaren Haare weg zu pinkeln. Zeigen Sie sich dankbar, indem Sie ebenfalls Haare hinterlassen.
  • Abgeklemmt wird nur im Notfall. Bei Durchfall ist diese Technik jedoch nicht zu empfehlen.
  • Überprüfen Sie vor dem Verlassen den sogenannten Hosenstatus und betätigen auf keinen Fall die Spülung. Der Nächste pinkelt sowieso wieder über die saubere Fläche.
  • Das Händewaschen ist nicht nötig – Sie sind ja nicht zum Kochen hier. Das Waschbecken ist nämlich für das Personal gedacht, falls mal Tee bestellt wird oder so.

Pinkeln ist das neue Rauchen

Das eigentliche Ziel, wie Sie bereits vermuten, ist gar nicht die Blasenentleerung selbst. Diese macht ja auch wenig Sinn. Warum sollte man ständig pinkeln gehen, wenn man danach sowieso wieder trinkt, nicht wahr? Das Wesentliche dieser Sache ist es, sich in Koordination zu üben und soziale Kreise zu erweitern. Menschen, die besonders häufig urinieren, haben meist bessere Freunde, einen besseren Beruf oder spielen ausgezeichneten Fußball.
Außerdem verirren sich in größeren Clubs zunehmend Frauen auf das Männerklo. Ein Kommentar zu Ihrem Penis böte eine hervorragende Einstiegsmöglichkeit für ein weiterführendes Gespräch. So – und nun ran an die Schüssel.

Im nächsten Ratgeber lernen Sie, wie man Geschichte schreibt.

fed; Artikelbild: © peterAusMeinemL

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