NSU-Prozess verschoben: Nebenkläger erhalten BER-Anteile als Entschädigung

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NSU - Prozess - München - Zschäpe - Satire
Ort der Entscheidung: drittes Fenster von rechts

Der Prozess rund um Beate Zschäpe ist um drei Wochen verlegt, angeblich, um die Platzvergabe zu reorganisieren. Da die Verschiebung aber zahlreichen Beteiligten schadet, entschied das Justizministerium, jene mit aussichtsreichen Versprechen zu entschädigen.
MÜNCHEN|ndw

[dropcap]V[/dropcap]ersprechen“ ist ein Terminus, der unterschiedlich auszulegen ist, moniert der türkische Medienvertreter Bülent Beşnit und wirkt ein wenig nervös. Türkische Medien versäumten es nämlich, laut nichttürkischer Quelle, sich bei der Platzvergabe zum bevorstehenden NSU-Prozess rechtzeitig zu registrieren und sahen sich in Folge dessen mit unannehmbaren Konsequenzen konfrontiert: sie hätten das gerichtliche Treiben durch Fenster und vorgebohrte Löcher verfolgen dürfen, was sie aber aus nachvollziehbaren Gründen ablehnten.

Derweil versucht die angeklagte Beate Zschäpe, der allgemeinen Undefiniertheit etwas Positives abzugewinnen, was „gar nicht so einfach“ sei. Generell stimme beim Prozess so einiges nicht. Der vorsitzende Richter – Manfred Götzel – entspreche nicht dem üblichen Bild, so Zschäpe. Er sei weder übergewichtig noch trage er eine Perücke, beschwert sich die Angeklagte und zeigt sich größtenteils unkooperativ. Eigentlich habe sie überhaupt keine Lust mehr auf das „Hin und Her“ und überlege bereits, „den albernen Quatsch“ abzusagen. Damit nimmt das Geschehen eine Entwicklung an, die niemandem so richtig zusagen will.

Das Münchner Oberlandesgericht hatte nach längerem Widerstand schließlich Einsehen mit der prekären Situation und verlegte den ursprünglichen Termin um drei Wochen. Damit verbunden ist auch eine Neuverteilung der Presseplätze, die allerdings noch Fragen offen lässt. Wann genau beginnt die Zuteilung? Wer wird präferiert? Erscheint diese Liste auch in türkischer Sprache?

Fragen, die zwar entscheidend sind, das Justizministerium jedoch bislang nur wenig interessieren. Es hat andere Sorgen – es will entschädigen. So verspricht Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) in einer Pressekonferenz, jedem Geschädigten sowie seiner gesamten Verwandtschaft einen Teil des deutschen Vorzeigeprojekts – des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) – zu offerieren. Die einzige Bedingung dabei sei eine pünktliche Fertigstellung des Flughafens. Terminliche Fragen seien für die Betroffenen ja kein Novum mehr, scherzt die Ministerin abschließend und verlässt fluchtartig den Konferenzsaal.

fed; Artikelbild: ©  AHert, CC BY-SA 3.0

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