‚Ich bin ein Berliner‘ – ein Versprecher, der zum Kult wurde

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Nach Versprecher: betretene Stimmung

Vor rund fünfzig Jahren begeistert John F. Kennedy Deutschland mit seiner Berliner-Rede. Er gilt nicht nur als das berühmteste Mordopfer Amerikas, sondern auch als hervorragender Diplomat. Ein Diplomat, der einen kleinen Fehler macht. Sie lesen einen Kommentar von Chuck Norisk.
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[dropcap]I[/dropcap]ch war damals ein junger Bursche – Anfang zwanzig, dynamisch, gut aussehend. John holte mich in sein Team, weil ich besonders gut Witze erzählen konnte: Kundin ruft beim Support an: „Mein Monitor ist kaputt.“ Support: „Ist er denn an?“ Kundin: „Ja.“ Support: „Dann machen sie ihn mal aus.“ Kundin: „Oh, jetzt geht er.“ Nicht schlecht, was? Den erzählte ich damals beim Casting, um John zu beeindrucken. Er hat ihn nicht verstanden, nahm mich wegen meines Charmes aber trotzdem auf.

In Berlin waren es schöne Tage – John redete viel, Brandt hörte zu und ich passte auf, dass niemand schlecht gelaunt war. Bei seiner berühmten Ansprache vor dem Schöneberger Rathaus sagte er die Worte, die ihn noch den Rest seines Lebens verfolgen sollten: „Ich bin ein Berliner„.
John tritt erschrocken zur Seite, die Menge tobt. Jackie Kennedy, die First Lady, schlägt sich die Hand vor die Stirn und lächelt verlegen. „John war nervös„, erzählt sie uns später im Hotel. Er hoffte zunächst, der Versprecher fiele niemandem auf. Doch dieser Gedanke war albern.

John war kein Berliner – das wusste er, das wussten wir, das wussten sogar die Berliner selbst – und genau das stand auch auf seinem Zettel: „Ich bin kein Berliner„. Warum stand es dort? Nun, John liebte die Wahrheit. Er wollte, dass jeder weiß, wer dieser schwarz-weiß gekleidete Mann ist, der auf der Tribüne steht. Denn Wikipedia gab´s damals nicht und das Internet war nur für drei Personen freigeschaltet – Bill Gates, Steve Jobs und den Erfinder von YouPorn. Naja, John unterschlug einen Buchstaben und schaffte einen Versprecher, der in die Geschichte einging. Und bis heute hat sich noch kein anderer US-Präsident getraut, öffentlich seinen Wohnort zu klären.

Passen Sie immer auf, was Sie sagen.
Ihr Chuck

Alle Beiträge von Chuck Norisk: Peng

Satire - Online - Nachrichten - Magazinchk, Übersetzung: fed; Artikelbild: © dionhinchcliffe, CC BY-SA 2.0 

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