Wer täglich Alkohol kauft, leidet vermutlich an Kaufsucht

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Greven · Sie kaufen täglich Bier, Wein oder Spirituosen – Über 1.5 Millionen Deutsche gehen regelmäßig auf Beutefang, um den eigenen Kaufzwang zu befriedigen, der am Folgetag wieder erscheint. Ein Teufelskreis, der nicht selten mit einer Behandlung der Kaufsucht endet. Einer Behandlung, die aber kaum jemandem hilft.

Martin P. hat wieder zugeschlagen. Beinahe täglich kauft der Münsterländer drei Flaschen Bier, eine Flasche Korn und eine Packung Erdnüsse. Auch, wenn sich die Erdnüsse in seiner Wohnung mittlerweile stapeln, wird er diese nie essen, denn Martin P. ist kaufsüchtig. „Wiederkehrende Muster, wie sie in diesem Fall vorliegen, sind ein klares Indiz für die Kaufkrankheit“, meint Holger Birnbaum, ein Experte, der sich seit Jahren mit Betroffenen auseinandersetzt. „Bier, Schnaps, Bier, Schnaps. Besonders hartnäckige Fälle greifen auch zu Tabakwaren. Eben zu etwas, das man in Kiosken oder Tankstellen schnell bekommt. Hauptsache, man hat etwas gekauft“, erklärt der Spezialist.

Das tückische an der Kaufsucht ist die bisher wenig erfolgreiche Therapie. Neun von zehn Patienten, die in anonymen Gesprächsrunden ihre Probleme mit dem täglichen Zwangskauf darlegen, werden wieder rückfällig und tauschen bald wieder Geld gegen Alkohol und Zigaretten. Nicht selten führt die Kaufsucht zu Arbeitsstellenverlust und Verarmung. „Wenn ich wieder gekauft habe, fühle ich mich am nächsten Tag wie erschlagen“, berichtet ein anonymer Betroffener. Er schwitzt und riecht stark nach Alkohol – eine Nebenerscheinung der zwanghaften Erwerbssucht, wie Appelbaum versichert.
Auch Martin P. wird es wieder mit der anonymen Gesprächstherapie versuchen. Solange es keine Einrichtungen für seinesgleichen gibt, ist es der einzige Weg. Seine Sucht habe er ohnehin bereits eingeschränkt, verkündet er stolz. Bereits jeden zweiten Tag schicke er seine Kinder zum Einkaufen und fühle sich seit dem etwas besser.

Satire - Online - Nachrichten - Magazinfed; Artikelbild: © Sai89AJ, CC BY 2.0

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