Auch Arbeitslose haben am ersten Mai frei

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Chuck Norris ist Amerikaner und nicht nur für seinen großartigen Bart bekannt. Er ist rau, schnörkellos, aber gerecht. Bei einer seiner Deutschlandreisen lernt er, was der Tag der Arbeit bedeutet.

Gestern habe ich wieder Deutsche beobachtet. Ich saß den ganzen Tag auf meinem Fahrrad aus rostfreiem Stahl und musste nicht ein einziges Mal pinkeln. Ich mag das, wenn Fahrräder schwer in der Hand liegen, falls man mal damit werfen muss. Gestern war erster Mai – ein gewöhnlicher Tag mit durchschnittlichem Wetter und anschließender Nacht. Wie immer in diesen Breitengraden. Ich habe mir nichts besonderes gedacht.

Um so größer war meine Überraschung, als mich plötzlich ein Pflasterstein traf, während ich einer neugierigen Oma erklärte, wo die nächste Tankstelle ist. Sie wollte Bier kaufen, um anschließend bei ihren Freunden damit anzugeben. Alte Menschen sind manchmal wie Kinder. Naja, mich traf also der Stein. Ach, übrigens heißen Pflastersteine so, weil man nach einem Kopftreffer ein Pflaster benötigt. Hahaha haha! Ich nicht. Trotzdem habe ich den Treffer bemerkt.

Ich guckte sofort in die Flugparabel – ich wusste zentimetergenau, wo das Geschoss her kam – und entdeckte Deutsche mit buntem Haarschnitt und dunklen Klamotten. Das müssen Arbeitslose sein, war mein erster Gedanke. Ich war irritiert – Arbeitslose am Tag der Arbeit? „Andererseits dürfen am Weltfrauentag auch Männer auf die Straße“, beruhigte ich mich wieder.

Der geschminkte Typ, der den Stein warf, sitzt jetzt bei mir im Gästeklo und denkt darüber nach, was er falsch gemacht hat. Danach muss er den Flur putzen, weil ich das selbst nicht gerne mache. Seine revolutionäre Schminke ist mittlerweile verlaufen, und er wehrt sich auch nicht mehr – war ja schließlich Tag der Arbeit.

chk – Ein Bericht aus dem letzten Jahr; Artikelbild: © rastafabi, CC BY 2.0

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