Briefwahl-Statistik: 24 Prozent sind Erpresserbriefe an Steinbrück

, in Politik

Geschätzte Lesezeit: 22 Minuten, 10 Sekunden

BERLIN · So viele Deutsche wie noch nie wählen per Brief. Die Bundesprüfstelle für vorzeitige Wähler (BPvW) fand in Stichproben heraus, dass ein knappes Viertel davon als Erpresserbriefe an den SPD-Kandidaten Peer Steinbrück fungiert. Über die Gültigkeit solcher Briefwähler wird allerdings noch gestritten.
Schon jetzt ist klar – bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 wird es mehr Briefwähler geben als je zuvor. Experten der BPvW schätzen in einer Hochrechnung die Beteiligung auf mehr als 25 Prozent an der gesamten Anzahl der Wähler. Besonders überraschend ist dieses Jahr der Anteil der Erpresserbriefe, der sich im Vergleich zur Bundestagswahl 2009 knapp verdoppelt und nahezu auf den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück (SPD) beschränkt.

Steinbrücks Stinkefinger
Übertreibt: Peer Steinbrück

„Es ist ein ungewöhnliches Massenphänomen, das vermutlich auf die kürzliche Erpresser-Affäre zurückzuführen ist“, meint Elke Kärchner, die Vorsitzende der Bundesprüfstelle. Anfang September ist Peer Steinbrück einem Erpresserschreiben zum Opfer gefallen. Man unterstellte ihm und seiner Familie die Beschäftigung einer illegalen Haushaltshilfe, was der Sozialdemokrat jedoch vehement dementiert. Der Fall scheint geklärt, und doch zieht er weitere Kreise als jemals vermutet.
„Hinzu kommt der Unmut der Erstwähler über den inflationären Gebrauch des Mittelfingers des Kanzlerkandidaten“, so Kärchner weiter. Die Jugend, die den „Stinkefinger“ für sich verbucht, fühle sich von einem Erwachsenen um eine beliebte Beleidigungsgeste betrogen und reagiere nun so auf die aktuellen Ereignisse. Der Unmut ist deutlich zu spüren.
Ob man die Erpresserbriefe aber als gültige Erststimme für Peer Steinbrück werten werde, ist noch unklar. Die Entscheidung scheint nicht so einfach – einerseits ist der Name des Kandidaten eindeutig benannt, andererseits in einem negativen Kontext. Nur eines ist sicher – die Erpresser bleiben in diesem Fall anonym. Denn dafür sorgen sowohl das Post- als auch das Wahlgeheimnis.

Satire - Online - Nachrichten - Magazinfed; Artikelbild: © SPD-Schleswig-Holstein, CC BY 2.0 

facebook

Send this to a friend