Besucher, der nicht geflüstert hatte, von Bibliothekarin erschossen

Berlin – Felix K. musste sterben, weil er sich in der Konrad-Adenauer-Bibliothek nicht an die Regeln gehalten und zu laut gesprochen hatte. Die zuständige Bibliothekarin Ursula W., die zur Zeit als Zeugin vernommen wird, will ihn noch vor den tödlichen Schüssen mehrmals verwarnt haben. Die Bundesregierung will das nach Artikel 47.2 bei Ruhestörung geregelte Schussrecht in Bibliotheken nun überdenken.

, in Panorama

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Ganze drei Mal will W. den Störenfried gebeten haben, die Hausordnung einzuhalten und sich im Flüsterton zu unterhalten, gibt die erfahrene Bibliothekarin zu Protokoll. Erst als Felix dann auch noch mit seinem Stuhl so laut über den Boden schliff, dass zwei andere Besucher verärgert aufblicken mussten, griff die 57-Jährige zu ihrer Waffe und schoss.

Die Referatspartner von Felix, die ebenfalls vor Ort waren, bedauern den Verlust sehr, können die Reaktion der Bibliothekarin jedoch verstehen. Auch sie wollen ihn mehrmals an die Ruhevorschriften in Büchereien erinnt haben. Dennoch wird Felix ihnen nach eigenen Angaben fehlen. Bisher – so einer der Teilnehmer – habe man noch niemanden gefunden, der seinen Teil des Referats übernimmt.
Positiv ist, dass K.s Eltern sich bei der Mitarbeiterin für das Fehlverhalten ihres Sohnes bereits entschuldigt haben.

Laut Polizei komme es immer wieder zu solchen Vorfällen, weil es nach wie vor Besucher gibt, die in einer Bibliotek reden, telefonieren oder laut mit dem Kugelschreiber klicken. Meist handelt es sich dabei um junge Männer zwischen 15 und 30, so die Polizei weiter. Sie gleich zu erschießen, wird jedoch auch von der Politik zunehmend kritisch gesehen.
Bis die Bundesregierung das entsprechende Gesetz überarbeitet hat, werden Bibliothekare deshalb angehalten, bei Ruhestörungen zunächst auf die Beine zu schießen. Allerdings bezweifeln die Mitarbeiter, dass man die Störer damit wirklich zum Schweigen bringt.

fed; Bild (M): © Wavebreakmedia / Depositphotos, Elnur_ / Depositphotos

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