Verzögerung im NSU-Prozess: Beate Zschäpes Bibliotheksausweis abgelaufen

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Laut Berichten der Polizeidirektion Hannover ist der auf die NSU-Angeklagte Beate Zschäpe ausgestellte Bibliotheksausweis seit Donnerstag abgelaufen. Dieses Dokument sei einer der letzten Beweise für den verlängerten Niedersachsen-Aufenthalt der Terroristin gewesen und hätte das Verfahren beschleunigen können. Mit seiner Annullierung erlischt auch die aktuelle Beweisführung, so das Landgericht München.

[dropcap]D[/dropcap]er 38. Verhandlungstag im NSU-Prozess beginnt mit der Vorstellung zweier Bibliotheksausweise, die sowohl das Lichtbild als auch die Unterschrift der Angeklagten tragen. Beide sind für eine Hannoversche Bibliothek am selben Datum ausgestellt worden. „Frau Zschäpe trug die Ausweise immer bei sich, allerdings in unterschiedlichen Taschen, um bei Verlust auf das entsprechende Substitut zurück greifen zu können“, erklärt einer ihrer Anwälte. Die Ausweise sind nur zwei Dinge einer ganzen Reihe von Fundsachen aus der verbrannten Zwickauer Wohnung, vermutet ein Gutachten.

„Eben – vermutet“, konstatiert Bernd Stehler, ein Mitarbeiter des Münchner Landgerichts, sichtlich enttäuscht. „Beide Ausweise der Angeklagten sind am vergangenen Donnerstag abgelaufen, weshalb man, juristisch betrachtet, keine Befugnis mehr hat, Frau Zschäpe deren Besitz und somit die Verbindung zur niedersächsischen Zelle nachzuweisen.“ Es ist in der Tat eine bittere Niederlage für die Ermittler, die zumindest eine Verzögerung des Verfahrens bedeutet.
Zeugenberichten zufolge habe eine Frau, die Beate Zschäpe sehr ähnlich sehe, regelmäßig in der entsprechenden Bibliothek Bücher entliehen. „Von Stephen King bis Sprengstoff-Bauanleitungen war alles dabei“, erinnert sich eine Bibliothekarin. „Einmal musste ich sogar den Ratgeber ‚Erschießen für Dummies‘ für diese Frau abstempeln. Meine Kollegen und ich haben damals noch herzlich gelacht, weil ‚Dummies‘ ja bedeutet, dass sie dumm ist.“ Heute lacht niemand mehr, denn das Verfahren entwickele sich langsam zu einer Farce, reklamiert Manfred Kroll, Rechtsexperte und Naziforscher aus Bayern. Doch auch er sehe ein, dass Ausweise ohne Gültigkeit ihren Rechtsanspruch völlig verlieren und hofft auf weitere Indizien, die den Prozess voran treiben. Er hält sich bereit, denn von den „Wiesn“ seien´s bloß zweieinhalb Kilometer zum Landgericht.

Satire - Online - Nachrichten - Magazinfed; Artikelbild: © Polizeidirektion Jena 

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