Nach Chaos um Armenien-Resolution: „Spiegel“ will Erdoğan keine Gastartikel mehr schreiben lassen

, in Medien

Geschätzte Lesezeit: 18 Minuten, 2 Sekunden

Hamburg (dw) – Chefredakteur Florian Harms hat beschlossen, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan vorerst keine Gastartikel mehr auf „Spiegel Online“ veröffentlichen darf. Grund für die drastische Maßnahme ist das aktuelle Durcheinander rund um die Armenien-Resolution des Bundestags. Erdoğan hatte am Donnerstag in einer „Spiegel“-Meldung behauptet, die Bundesregierung wolle sich von der Armenien-Resolution distanzieren, und damit für viel Aufregung gesorgt.

Regierungssprecher Steffen Seibert hat diese Gerüchte am Freitag vehement dementiert: „Davon kann überhaupt keine Rede sein“, sagte er in Berlin. „Der Bundesregierung würde es im Traum nicht einfallen, sich vor der Türkei zu verbiegen.“ Zudem sei es unverantwortlich – so Seibert weiter – einen ausländische Staatsführer in einem deutschen Leitmedium über sich selbst schreiben zu lassen. Es sei völlig klar, dass derjenige in einem solchen Bericht nicht objektiv bleiben wird.

Die gestrige „Spiegel“-Meldung des türkischen Präsidenten hat aber bereits für reichlich Chaos gesorgt und zahlreiche Leser von Online-Medien irritiert. Viele sind darauf reingefallen, weil die offenbar erfundene Wunschbehauptung von Erdoğan, die Bundesregierung wolle sich der Türkei mit allen Mitteln annähern, voller Details steckte und nachträglich unter Pseudonymen veröffentlicht wurde.

Demnächst will „Spiegel Online“ mit der Vergabe von Gastbeiträgen nicht mehr so fahrlässig umgehen. Derzeit wird etwa redaktionsintern diskutiert, ob der ukrainische Präsident Petro Poroschenko weiterhin für alle Spiegel-Artikel über seinen russischen Kollegen Wladimir Putin zuständig sein soll, oder ob diese Aufgabe künftig tatsächlich ein „Spiegel“-Redakteur übernimmt.

fed; Bild [M]: Screenshot, SPON

facebook

Send this to a friend