Alice Schwarzer – Sexismus am Computer

Von am 16. August, 2012
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Das modische kleine Schwarze: Balken

Feministin und Frauenrechtlerin Alice S. Schwarzer beklagt das vorherrschende Patriarchat im informations-technischen Milieu
KÖLN|ndw

Sie hat alles erreicht, was das Frauenherz begehrt. Neben einem Bundesverdienstkreuz, einem Bambi und zahlreichen anderen Auszeichnungen hat Frau Schwarzer gegen den Stern geklagt, King Orgasmus rhetorisiert, Jörg Kachelmann verflucht und Abtreibung relativiert. Für die frauenfreundliche Zeitung Bild des Axel Springer Verlags schrieb sie nicht nur eine Kolumne, sondern warb auch an Haltestellen und anderen moralresistenten Großflächen. Und doch ist dies alles nicht genug. Nicht für das Kämpferherz einer Rekordfeministin.

“Allmählich ist es an der Zeit, zu begreifen, dass auch der modernste Bereich unserer stark informatisierten Gesellschaft nicht ausschließlich von Männern genutzt wird. Ich selbst betreibe nunmehr seit langem eine Webpräsenz, was mich zu einer technikaffinen Userin graduiert. Da zahlreiche Vorstandspositionen der Branche immer noch männlich dominiert sind, ist es nicht verwunderlich, dass die von mir bereits vor Jahren vorgeschlagene Bezeichnung ‘Internet Explorerin’ noch nicht realisiert wurde. Stattdessen hält man Begriffe, die sexistische Handlungen wie ‘darauf rumhacken oder herumdrücken’ assoziieren, bewusst weiblich – DIE Tastatur, DIE Maus.

Andere Bereiche sind ebenfalls betroffen”, klagt Frau Schwarzer unaufhaltsam weiter. “Zwar haben wir eine Bundeskanzlerin erwirkt, doch gleicht ihr Name morphologisch bestenfalls einem Neutrum. Dabei gehen andere Staaten mit gutem Beispiel voran. Sogar das raue Russland beschäftigt einen Präsidenten mit einem wohlklingenden femininen Namen. Lassen Sie sich also nicht entmutigen, meine Damen. Ran an Ihre Computerin und schreiben Sie fleißig Protestkommentare auf führenden Blogs des patriarchalischen Informationsfeindes.”

Leider hatten wir keine Gelegenheit, uns artgerecht von Alice Schwarzer zu verabschieden, da sie unsere – so der Wortlaut – testosterongetränkte Redaktionshöhle fluchtartig verlassen hatte. Wir drücken ihr die Daumen im Kampf gegen die digitale Ungerechtigkeit und sind der Meinung, dass Jörg Kachelmann mit einem weiblicheren Nachnamen sicher glimpflicher davon gekommen wäre.

fed; Monolog entspricht nicht der Realität, Zeichnung: © colewardell | Foto: © manfredWerner, GFDL

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